Die Maske in Asien

Korrespondenzbericht Hong Kong – zwischen Gesellschaft und Gewohnheit

Hast du dich schon einmal gefragt, warum so viele Menschen in Asien regelmäßig einen Mundschutz tragen?

Nun, die Gesichtsmaske oder der Mundschutz gehört seit jeher zum öffentlichen Bild nicht nur in asiatischen Großstädten, sondern auch auf dem Land – Und das hat seine guten Gründe, die sowohl kulturell als auch demographisch und sozial zu erklären sind.

Wenn man sich Asien anschaut, merkt man schnell, dass der Kontinent sehr vielseitig ist und ebenso die Demographien, Lebensarten und die Kultur der einzelnen Länder sich stark unterscheidet. Wenn wir allerdings in Europa Bilder von Menschen mit Gesichtsmasken sehen, denken wir sofort an China. An Hong Kong, an Japan an Korea oder Taiwan. Und das genau sind auch die Länder in Asien, in denen das Tragen von Gesichts- oder Atemmasken üblich ist, nicht nur in Zeiten wie der jüngsten Covid-19 Pandemie.

Das Maskentragen hat gute Gründe

Es gibt viele Gründe, weshalb hier das Maskentragen weit verbreitet ist. Das ist zum einen die starke Industrialisierung der Länder mit einer entsprechend hohen Produktionskapazität und vielen Fabriken, unglaublich starkem und dichtem Verkehr, entsprechen viel Smog und einer verhältnismäßig hohen Luftunreinheit – Hier helfen Masken, um sich gegen die Partikel in der Atemluft zu schützen! Zum anderen haben die oben angesprochenen Länder seit Jahrhunderten eine mit Europa verglichen hohe Bevölkerungsdichte. Mit Blick auf Metropolregionen wie Peking, Shanghai, Hong Kong oder Tokio wird schnell deutlich, dass die Ansteckungsgefahr auch weniger gefährlicher Erreger als Covid-19 hier sehr einfach und schnell gehen kann. Aus diesem Grund hat sich in Asien schon vor Jahrzehnten eine Kultur etabliert, insbesondere außerhalb des Hauses ein Infektionsrisiko von Grippe, einem einfachen Schnupfen oder Viren im Allgemeinen zu verringern, indem man eine Atemschutzmaske trägt! Diese Kultur spiegelt sich zunehmen auch im Stil wider – neben dem ursprünglichen Zweck der Maske dient sie heute auch als Statement. Als Style Objekt und Accessoire, Ausdruck der Stimmung oder aber auch als sozialer Distanzgeber.

„Ich trage eine Maske um niemanden anzustecken, wenn ich krank bin!“

– Ning Yan, Grundschul Lehrerin

Ich habe mittlerweile viele Jahre in China, Hong Kong und Asien gelebt und die Atemmaske als ständigen Begleiter kennengelernt. Ich fragte vor einigen Tagen eine Chinesische Freundin, aus welchem Grund sie normalerweise eine Maske trägt und was sie mit dem Mundschutz verbindet. Man sah ihr an, dass viele Bilder und Situationen ihr inneres Auge durchliefen. Sie grübelte kurz und antwortete dann sehr bestimmt: „Ich trage eine Maske um niemanden anzustecken, wenn ich krank bin!“. Die Antwort zeigt sehr deutlich, wie in Asien Gesellschaft gedacht wird. Das Interessante an dieser Antwort ist klar – der Atemschutz wird erst einmal nicht zum eigenen Infektionsschutz getragen, sondern zum Schutz der Gemeinschaft, die einen immens wichtigen Stellenwert insbesondere in den o.g. Ländern besetzt. Aus diesem Grund ist es, anders als bislang noch in westlichen Ländern, verpönt, sich selbst über den Nächsten zu stellen und diesen nicht mit dem Tragen einer Maske zu schützen.

Aus der SARS Epidemie wurde viel gelernt!

Wenn man in diesen Tagen durch Hong Kong läuft fällt einem schnell auf, wie leer die Stadt auch hier ist – verglichen mit Zeiten, in denen kein Virus kursiert und veglichen mit Bildern voller U-Bahnen und Straßen, die wir von asiatischen Megastädten aus dem Fernsehen kennen. Das Interessante aber ist, dass dies in Hong Kong aktuell ohne einen offiziellen Lockdown geschieht. Wie kann das sein? Nicht nur Hong Kong, sondern insbesondere China und auch Taiwan haben aus der SARS Epidemie 2002 (8000 Infektionen vs. CoVid-19 >530.000 Infektionen, stand 27. Mrz.) viel gelernt und die Meisten haben diese Epidemie selbst miterlebt! Hier wird abermals deutlich, wie stark die Gesellschaft in solchen Zeiten zusammenrückt und versucht, die Lage gemeinsam in den Griff zu bekommen. Das führt dazu, dass sich viele Leute einerseits aus Sorge um die eigene Gesundheit aber vielmehr aus gegenseitigem Schutz in die persönliche Isolation begeben.

Und natürlich gibt es Ausnahmen. So sieht man vereinzelt Passanten, die keine Maske tragen. Deshalb lautet die relevantere Frage aber wahrscheinlich nicht, weshalb so viele Menschen in Asien regelmäßig einen Mundschutz tragen, sondern eher, warum derzeit fast niemand keinen trägt!

Timo
miamasuku Team
Hong Kong